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Merkel: Impfquote entscheidet über Freiheit

Bei ihrer wohl letzten Sommer-Pressekonferenz hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem eindringlichen Impfappell an die Bürger gewandt. Die Impfquote werde entscheiden, wie gut Deutschland durch Herbst und Winter komme und wie viel Normalität wieder möglich sei. „Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein“, sagte Merkel heute in Berlin. Sie rief jeden Bürger auf, in der Familie, bei der Arbeit, im Fußballverein und Alltag fürs Impfen zu werben. „Jede einzelne Impfung zählt.“ Besorgt zeigte sie sich über den Anstieg der Corona-Zahlen. „Wir haben ein exponentielles Wachstum.“ Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg weiter auf nun 12,2 Fälle pro 100.000 Einwohner. Darüber berichtet das Gesundheitsmagazin G+G.

Die Kanzlerin äußerte sich auch zur Debatte um die Rolle des Inzidenzwerts: Richtschnur der Politik bleibe es, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, betonte sie. Mit steigender Impfquote könne Deutschland höhere Inzidenzwerte bewältigen, weil weniger Menschen schwer erkrankten und ins Krankenhaus müssten. Merkel verwies zugleich auf ein heute vorgelegtes Papier des Robert-Koch-Instituts (RKI), das Handlungsempfehlungen und Szenarien für die erwartete Herbst- und Winterwelle skizziert.

Danach dürften vorerst noch Kontaktreduzierungen nötig sein. Das RKI erwartet im Winter eine Impfquote von 70 bis 80 Prozent bei Erwachsenen. Erst in den Folgejahren steige die „Grundimmunität“. Eine Impfquote von 75 Prozent bei den Zwölf- bis 59-Jährigen reicht nach den RKI-Szenarien allein jedoch noch nicht aus, um im Winter eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern. Vielmehr könnte die Zahl der Intensivpatienten auf weit über 6.000 hochschnellen. Anders sähe es aus, wenn die Bürger ihre Kontakte in einem ersten Schritt um zehn und in einem zweiten um 30 Prozent reduzierten. Dann bliebe die Zahl der Intensivpatienten unter 3.000. Erst ab einer Impfquote von 85 Prozent seien größere Maßnahmen nicht mehr nötig.

Das RKI riet, das Tragen von Masken, Lüften und andere AHA-Regeln bis zum Frühjahr 2022 beizubehalten. Altenheime bräuchten besondere Schutzkonzepte. Dort könne es zu Ausbrüchen kommen, weil der Impfschutz möglicherweise nachlasse. Das RKI empfiehlt, Auffrischimpfungen für Ältere und Risikogruppen vor dem Herbst vorzubereiten. Merkel räumte ein, dass der Schutz der Pflegeheime in den ersten Corona-Wellen nicht ausgereicht habe. Insgesamt zog sie eine positive Bilanz der Corona-Politik. Deutschland habe im Vergleich mit anderen Ländern „sehr, sehr vieles richtig gemacht“.

Quelle: G+G